„Böse Miene, gutes Spiel“

Sabine Schönberg

30.11.2009: Es ist 21.07 Uhr als in der Kölner Lanxess Arena das Licht ausgeht. Untermalt von düsteren Klängen und einem Hauch „Kirchenmusik“ halten rund 16.000 Menschen den Atem an. Nach einigen Sekunden kommt Bewegung ins Dunkel: Grelle Lichtstrahlen fallen in die Halle. Mit Äxten und Spitzhacken bewaffnet arbeiten sich (noch) unidentifizierbare Geschöpfe durch eine Wand. Direkt daneben flammt das Feuer eines Schweißbrenners auf, ein weitere Kreatur bahnt sich seinen Weg durch eine Stahltür. Schließlich fällt die Mauer: Die Kultband „Rammstein“ wird unter stürmischem Gejubel von ihren Anhängern begrüßt. Die Show beginnt.

In eigener Sache: Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag online stellen soll. Rammstein stehen immer wieder in der Kritik der Bevölkerung und die Meinungen über die Rockband gehen auseinander. Aber es wäre ja langweilig, wenn wir alle die gleichen Dinge toll finden würden. Wer also nichts über ein Rammstein-Konzert lesen, hören oder sehen mag, klickt jetzt einfach weiter. Bitte. Danke.

Rammstein-Konzerte zeichnen sich durch viele Besonderheiten aus, eine davon ist die Tatsache, dass Rammstein nicht zu ihren Fans sprechen. Animationen, eingeforderte Bestätigungen oder sonstige Ansprachen sind auch überhaupt nicht nötig – die beeindruckende Show läuft von ganz alleine. An diesem Abend allerdings passiert etwas Außergewöhnliches. Frontmann Till Lindemann richtet sein Wort an die ausgeflippte Menge. Mit finsterer Stimme verkündet er: „Meine Damen und Herren, der nächste Song ist zensiert!“ Grund hierfür ist das Lied „Ich tu dir weh“ des aktuellen Albums „Liebe ist für alle da“. Nachdem die Scheibe bereits drei Mal Gold abgeräumt hatte, wurde sie dank „Zensursula“ von der Leyen indiziert. Dem Konzert jedoch tut dies keinen Abbruch. Till Lindemann ersetzt die angeprangerten Passagen artig durch neutralen Text, während die Fangemeinschaft seinen Part übernimmt und einvernehmlich den ursprünglichen Text grölt.

Ausgefeilte Pyrotechnik ist ein weiteres Indiz dafür, dass man sich in einem Rammstein-Konzert befindet. Feuerwerkskörper, Explosionen und eindrucksvolle Schauspiele mit dem heißen Element begleiten fast jeden Song. Früher hat Sänger Till Lindemann sich auf der Bühne noch selbst in Brand gesteckt. Beim ,Dauerbrenner’ „Benzin“ beispielsweise hat er inzwischen einen Dummie, welcher nahezu komplett in Flammen stehend über den Schauplatz wankt. Natürlich darf aber auch Altbewährtes in der Show nicht fehlen: Zum Hit „Haifisch“ setzt Keyboarder Flake sich in ein Gummiboot und lässt sich von den Fans quer durch den Innenraum tragen.

Rammstein hatten die Messlatte für ihre Shows angesichts vorangegangener Tourneen sehr hoch gehangen. Noch verwöhnt von früheren Konzerten habe ich insgesamt etwas mehr Pyrotechnik und Showeinlagen erwartet, dennoch war es ein absolut gelungenes Konzert.

Leider mangelt es bisher an guten Videosequenzen aus den beiden Kölner Shows. Daher habe ich auf ein Video aus Prag zurückgegriffen und zeige euch nun

das ,skandalöse‘ „Pussy“.

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