Höhen und Tiefen

Sabine Schönberg

Erwähnte ich eigentlich schon einmal, dass ich Höhenangst habe? Schreckliche Höhenangst?

Letzte Woche gönnten wir uns einen Erholungstag im Wellnessbad. Einer unserer ersten Wege führte zu den Sprungtürmen. Sie waren geschlossen. Wie bedauerlich. Großkotzig erklärte ich, dass ich – natürlich – auch gesprungen wäre. Ich bereute meine Aussage noch im gleichen Augenblick und wollte vorschlagen, dass wir vom Startblock springen könnten, behielt dies aber lieber für mich. Einige Zeit später, die Sprungtürme längst vergessen, gab eine Lautsprecherdurchsage bekannt, dass das 1-Meter-Brett geöffnet sei. Oh weh. Gut, da musste ich nun durch. Auf zum Sportbecken. Zögernd ließ ich erst mal die anderen ins Wasser hopsen. Mein Göttergatte hüpfte bereits das dritte oder vierte Mal an mir vorbei die Treppe hinauf. Dann war es so weit. Jetzt. Todesmutig kletterte ich die (ungefähr fünf) Stufen hoch. Kurzes Zögern, aber kein Problem. Zack und rein. Geschafft.

Dachte ich. Das nächste Unheil kündigte sich nur wenige Minuten danach an. Auf Wunsch einer einzelnen Person (doch nicht mein Göttergatte!), wurde der 3-Meter-Turm aufgemacht. Während mein Mann die Stufen emporklettert, plaudert meine Tochter mit der Bademeisterin. „Meine Mama wird auch springen. Aber sie hat Angst, vielleicht kommt sie wieder runter.“ Ich möchte im Erdboden versinken. Außer mir niemand mit der „Ambition“ vom 3-Meter-Turm zu hüpfen sichtbar. Die Bademeisterin lächelt mir freundlich zu „Ach, die Mama traut sich schon!“. Schluck. Mit dem eisernen Entschluss dies hinter mich zu bringen, steige ich die Leiter hinauf. Mit jedem Schritt werden meine Knie weicher, schließlich komme ich oben an. Ich hätte nicht gedacht, dass es SO hoch ist. Wackeligen Fußes begebe ich mich zur Absprungstelle – auf dem Weg dahin halte ich mich vorsichtshalber am Geländer fest. Szenen aus »Mr. Bean« und wie er vom 3-Meter-Brett springen will, ziehen an mir vorbei … Dann stehe ich da, frei, ohne Geländer und blicke in die Tiefe. Mit aller Kraft unterdrücke ich den Reflex mich umzudrehen und wieder hinab zu steigen.

Die Bademeisterin lächelt mir weiterhin zu, Töchterchen hüpft aufgeregt neben ihr. Mein Männe ermuntert mich aus dem Becken, ich sollte springen. Davon abgesehen schaut mich gefühlt das ganze Schwimmbad an. Um die Situation nicht weiter peinlich werden zu lassen, halte ich die Luft an und tue es einfach. Der freie Fall scheint unendlich. Ich sterbe. Als ich irgendwann platschend ins Wasser eintauche, merke ich: Ich bin gar nicht tot. Im Gegenteil, ich habe sogar eine Figur zustande gebracht. Der Stern! Bin ich froh, dass ich – zumindest laut Zeugenaussagen – nicht noch mit Armen und Beinen gerudert habe …

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2 Reaktionen zu “Höhen und Tiefen”

  • Hansi sagte:

    *looool* Bina, wir sind uns wohl doch sehr ähnlich. Ich habe so schreckliche Höhenangst, das ich mein Goldabzeichen nur bekommen habe, weil eine Freundin mich vom 3-Meter Brett mit runter gezogen hat. Ich stand bestimmt 30Minuten dort oben, alle sprangen runter, nur ich nicht. Plötzlich nahm meine Freundin Anlauf, nahm meine Hand und unten war ich ;o)

    Ich hasse Höhen…

  • Bina sagte:

    *lach* Ja, ich kann mich da noch an diesem komischen Turm in Blomberg erinnern, wo man die Sitze hochziehen konnte. Hansi teilte Juan(?) erst als sie oben waren mit, dass sie Höhenangst hat. *g*

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